Projektmanager – zwischen Rolle und Menschsein
Wenn ich an die Rolle eines Projektmanagers denke, sehe ich nicht Excel-Tabellen oder Gantt-Diagramme vor mir. Ich sehe einen Menschen - einen, der zwischen Fronten steht: zwischen Projektziel und Wirklichkeit, zwischen Deadline und Eskalation, zwischen Kundenwunsch und Realitätssinn.
Projektmanagement wird oft reduziert auf Methoden, Tools, Checklisten, als sei der Projektmanager nur ein Verwalter von Zeit und Ressourcen. Die eigentliche Natur ist jedoch die eines Vermittlers, eines Möglichmachers, Organisators, Motivators, Strukturgebers und ja, eines der „trackt“ – alles in einer Person.
Im Laufe der Jahre in verschiedenen Projekten habe ich zahlreiche Projektmanager und andere Führungskräfte erlebt: gute, pragmatische, kämpfende, überforderte, einen, der sich aus dem Fenster eines Hochhauses in Frankfurt gestürzt hat. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind mehr als ihre Rollenbeschreibung. Sie sind Koordinatoren des Chaos, Übersetzer zwischen Welten, Träger von Verantwortung, die man nicht in Stunden verrechnen kann. Oft allein, mit zu viel im Kopf und zu wenig Rückenwind.

Hat ein Projektmanager keinen inneren Kompass – oder geht ihm dieser verloren – wird er zum Spielball der Umstände. Mit innerem Kompass navigiert es sich besser durch Stürme, Unstimmigkeiten, Krisen und Maleure. Ein guter innerer Kompass besteht aus Klarheit, einem guten Zugang zur eigenen Intuition, Mut, Empathie und dem Rückgrat, zu eigenen Entscheidungen zu stehen – und der Fähigkeit, sich selbst nicht zu verlieren, wenn alles um ihn oder sie herum zu kippen scheint.
Ein Projektmanager trägt oft Lasten, die nirgends erfasst werden: die Unsicherheiten, Spannungen und auch Aggressionen anderer, die Erwartungen von Stakeholdern, Spiele von Mitspielern und zuweilen auch faktisch eigentlich Unbeteiligten, die oft nicht konstruktiv sind. Es sind nicht die Aufgaben, die ihn erschöpfen, sondern Schwingungen zwischen den Zeilen, das, was „in der Luft liegt“. Die Kunst besteht darin, neben fachlich guter Arbeit und Klarheit diese Schwingungen zu erkennen, ohne sich davon aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen und bei all dem, was man tut „sauber zu bleiben“ – für sich selber und das Projekt.
Doch was heißt das konkret im Alltag?
Es heißt, auch mal zu widersprechen, wenn das Projektziel nicht mit den verfügbaren Ressourcen vereinbar ist. Es heißt, nicht jedem Change-Request blind nachzugeben. Es bedeutet, nicht nur Meilensteine zu setzen, sondern Menschen zu führen, zu schützen, zu stärken, Teammitglieder Raum zu geben in und an ihrer Aufgabe zu wachsen. Es heißt auch, mit Unsicherheit umgehen zu können, denn Projektmanagement ist ein dynamisches Spielfeld, das gestaltet sein will.
Der Projektmanager ist Teil eines komplexen Geflechts. Wer das meistert, braucht mehr als ein Zertifikat. Er braucht auch Bewusstsein, Selbstkenntnis und die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten – fortlaufend.
Wenn du selbst Projektmanagerin bist – was davon resoniert mit dir? Vielleicht erkennst du dich an einigen Stellen oder spürst, was du eigentlich willst oder wie es gut wäre. Vielleicht erinnerst du dich wieder daran, dass du mehr bist als deine Rolle. Am Ende sind es nicht die Methoden, die Projekte erfolgreich machen. Es sind Menschen wie du.
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